Verlegung von Stolpersteinen für Hilde Domin und Familienangehörige

Termin: 4. April 2017, 09:30-10:00, Riehler Str. 23, 50668 Köln

Auf Initiative von Heike Rahm und der Psychoanalytischen Arbeitsgemeinschaft Köln-Düsseldorf e.V. verlegt der Künstler Gunter Demnig am 4. April 2017 Stolpersteine für Hilde Domin und ihre Familienangehörigen. Verlegt werden die Stolpersteine am Geburtshaus von Hilde Domin, dem früheren Wohnort ihrer Familie in der Nähe des Ebertplatzes, heute Sitz der Psychoanalytischen Arbeitsgemeinschaft Köln-Düsseldorf e.V. Die PsAG ist eine staatlich anerkannte Ausbildungsstätte und ein Institut der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung, das psychoanalytische und psychotherapeutische Ausbildung anbietet.

Im Anschluss an die Verlegung halten Hildegard Müller-Brünker und Anna Ditges kleine persönliche Ansprachen. Frau Müller-Brünker bietet regelmäßig literarische Stadtspaziergänge auf den Spuren von Hilde Domin in Köln an. Die Filmemacherin Anna Ditges drehte ein bewegendes Filmporträt „Ich will Dich – Begegnungen mit Hilde Domin“, zum Teil im Haus Riehler Str. 23. Sie stand der Dichterin in den letzten zwei Jahren ihres Lebens sehr nah. Zu Verlegung und Ansprache sind Sie herzlich eingeladen. Sowohl Frau Müller-Brünker als auch Anna Ditges stehen für Fragen zur Verfügung.

Erinnert wird mit den Stolpersteinen an die Lyrikerin Hilde Domin, ihren Vater Eugen Siegfried Löwenstein, ihre Mutter Paula Löwenstein (geb. Trier) sowie ihren Bruder Hans Artur Löwenstein. Hilde Domin und ihre Familienangehörigen wurden nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten zur Flucht in die Emigration gezwungen.

Mit der Verlegung der vier Stolpersteine möchte Heike Rahm in Kooperation mit der Psychoanalytischen Arbeitsgemeinschaft Köln-Düsseldorf e.V. auf die Verfolgungsgeschichte der Dichterin Hilde Domin und ihrer Familie in Köln aufmerksam machen und sie und ihre Familie würdigen.

Biografische Notizen

Hilde Domin (geb. als Hildegard Dina Löwenstein, verheiratete Palm) wurde am 27. Juli 1909 in Köln geboren, verbrachte in der Riehler Str. 23 ihre Kindheit und Jugend in einer großbürgerlich geprägten Atmosphäre. Sie erhielt eine ausgesprochen gute, humanistisch geprägte Ausbildung. Zum Studium der Soziologie und Nationalökonomie ging sie nach Heidelberg, um von dort mit ihrem späteren Ehemann, Erwin Walter Palm, nach Rom zu ziehen. Über Sizilien und Großbritannien, wohin ihre Eltern sich vor dem Nazi-Regime in Sicherheit gebracht hatten, emigrierte sie 1940 in die Dominikanische Republik. In einer schweren persönlichen Krise begann sie zu schreiben und wurde später als Hilde Domin mit ihrer einfühlsamen und pointierten Lyrik berühmt. 1954 kehrten Hilde Domin und ihr Mann nach Deutschland zurück und ließen sich in Heidelberg nieder. Hilde Domin erhielt viele Auszeichnungen für ihr lyrisches Werk. Am 22. Februar 2006 starb sie in Heidelberg und ist auf dem dortigen Bergfriedhof beerdigt.

Paula Löwenstein, geborene Trier (*2. März 1882  +2. Sept 1951), entstammte einer Kaufmannsfamilie aus Frankfurt. Sie war ausgebildet als Sängerin und Pianistin, setzte ihre Fähigkeiten allerdings nur ab und an bei Gesellschaften zu Hause ein. Über die Mutter schreibt Hilde Domin: „Meine Mutter hatte ein Temperament, das war des Bombenwerfens fähig“ („Von der Natur nicht vorgesehen“, S. 13). Am 24. Okt. 1908 heiratete sie Eugen Siegfried Löwenstein.

Eugen Siegfried Löwenstein (*7. Juni 1871  +9. Aug. 1942) stammte aus Düsseldorf und arbeitete als promovierter Jurist als Rechtsanwalt beim Land- und Amtsgericht in Köln. Die Anwaltskanzlei befand sich am Kaiser-Wilhelm-Ring 3, Hochparterre (aus: Adressbuch von 1929). Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten erhielt er Berufsverbot. Am 24. Oktober 1933 verließ er mit seiner Ehefrau Köln.

Hans Artur Löwenstein „Jonny“ (*16. März 1912 + 21. März 1995); emigrierte schon 1936 in die USA, kehrte nach dem Krieg nach Deutschland zurück und fand eine Anstellung bei der US Army, Kommandozentrale der US-Bodentruppen in Europa.