Arbeitskreis Ethnopsychoanalyse
Psychoanalytische Arbeitsgemeinschaft Köln-Düsseldorf e.V.
Ausbildungsinstitut der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung
Weiterbildungsinstitut der DGPT und D3G
Ausgangspunkt
Unsere Arbeit knüpft an Sigmund „Freuds Totem und Tabu“ (1913) an, das Inzestscheu, Tabu & Ambivalenz, Animismus und Totemismus untersucht. Seitdem fragt die Psychoanalyse, wie unbewusste Konflikte und Initiationsriten in unterschiedlichen Kulturen gestaltet sind – und was ihre Erforschung über die eigene Kultur verrät.
Historische Entwicklung
- George Devereux – prägte den Begriff Ethnopsychoanalyse und führte die Konzepte des ethnischen Unbewussten (kulturell geteilte Verdrängungen) sowie des idiosynkratischen Unbewussten (individuelle Verdrängungen) ein.
- Paul & Goldy Parin / Fritz Morgenthaler – setzten auf dialogische Feldforschung; Bestseller „Die Weißen denken zuviel“ (1963), „Fürchte deinen Nächsten wie dich selbst“ (1971).
- Mario Erdheim – beschrieb die „Pendelbewegung zwischen den Kulturen“: Erkenntnisse über eine fremde Kultur gewinnen erst im Rückfluss auf die eigene Kultur ihren Wert.
- Maya Nadig – brachte postkoloniale Theorie, Migration, Transkulturalität und Identitätsformation in den Fokus.
- Gegenwart – Transkulturelle Psychoanalyse: Kulturen werden als dynamisch vernetzt und hybrid verstanden; Beobachter:innen sind Teil derselben globalen Matrix.
Themen unserer Arbeitsgruppe
- Migration, Flucht und Identität
- Rituale, Initiationen, Trauer- und Abschiedspraktiken
- Fremdheitserfahrungen im Reisen und in transkulturellen Therapien
- Totemistische Vorstellungen, Tier- und Körperrituale
- Globalisierung, Hybridität und ihr Einfluss auf das Unbewusste
Themen & Beispiele bisheriger Matinéen
- Glück und Fluch – Gedanken zur Migration
- Das Unerschöpfliche des Fremden – Psychoanalyse des Reisens
- Orpheus in Indien – Rituale des Abschieds in Varanasi
- Famadihana – Totenumbettung auf Madagaskar
- Im Jahr des Hundes – Das chinesische Verhältnis zum Hund
- Endlich in Deutschland – Arbeit mit minderjährigen Geflüchteten
Formate & Aktivitäten
- Ethnopsychoanalytische Sonntagsmatinee – zwei öffentliche Vorträge mit Diskussion pro Semester
- Jährliches Arbeitstreffen – ganztägiger Workshop für Mitglieder und Gäste
- Offene Lesekreise – Klassiker (Freud, Devereux, Parin u. a.) und aktuelle Publikationen
Aktuelle Termine finden Sie im Semesterprogramm.
Koordination
Dipl.-Psych. Brigitte Ziob – Kontakt über das Sekretariat der PSAG.
Interessierte Kolleg:innen sind herzlich eingeladen, mitzudiskutieren und eigene transkulturelle Fragestellungen einzubringen.