Entstehungsgeschichte, Entwicklungsprozess und Behandlung von Traumatisierungen

Vortragsreihe „Trauma“ der Psychoanalytischen Arbeitsgemeinschaft Köln-Düsseldorf

Entstehungsgeschichte, Entwicklungsprozess und Behandlung von Traumatisierungen – eine Einführung

Seit ihren Anfängen gehören die Erforschung und Behandlung von Traumatisierungen zu einem zentralen Feld der Psychoanalyse. Beginnend mit Freuds ersten Fällen hat sich die psychoanalytische Traumatheorie seitdem stetig weiter entwickelt. Auch die Behandlungstechnik hat sich in den letzten Jahrzehnten beständig verändert und die Therapie den neuen Forschungsergebnissen angepasst.

Seit etwa 20 Jahren taucht der Begriff „Trauma“ auch außerhalb der psychoanalytischen Community zunehmend in Klinik und Forschung auf und gehört zu einem der am häufigsten verwendeten, wenn es um die Erklärung von psychischen Störungen geht. Zunehmend betreten auch spezielle „Traumatherapien“ die Behandlungslandschaft. Gleichzeitig steht die Behauptung im Raum, eine psychoanalytische Behandlung sei bei Traumatisierungen nicht mehr zeitgemäß.

Diese aktuellen Entwicklungen haben uns veranlasst, das Thema TRAUMA in den Fokus unserer neuen öffentlichen Vortragsreihe zu nehmen.

Wir wollen Ihnen einen Einblick zum aktuellen Stand von Traumaforschung und -behandlung geben und freuen uns, dass wir für unsere Vorträge ausgewiesene Fachleute gewinnen konnten, die Ihnen das Themenfeld kompetent nahe bringen und Ihnen einen Einblick in ihre Arbeit geben werden.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Dr. Michael Koenen

Leiter der Arbeitsgemeinschaft

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Traumatische Erfahrungen – zur inneren und äußeren Verarbeitung.

Christoph E. Walker, 17.03.2017

Nach einführenden Überlegungen zur psychoanalytischen Konzeptualisierung von Trauma und zu Fragen traumatischen Erlebens und dessen komplexer Verarbeitung werden, auf dem Hintergrund einer ausführlichen klinischen Fallstudie, diese Überlegungen weiter vertieft und zur Diskussion gestellt.

Ein wesentlicher Aspekt der Fallstudie ist aufzuzeigen, in welcher Weise sich hier eine prä-symbolisch organisierte Kommunikation und Phantasietätigkeit entfaltet.

Zum Referenten

Dr. rer. soc. Christoph E. Walker, Diplom-Psychologe, Psychologischer Psychotherapeut, niedergelassen als Psychoanalytiker in eigener Praxis. Lehr- und Kontrollanalytiker (DPV/IPA/DGPT).

Von 2012 – 2014 Vorsitzender der “Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung“ (DPV). Diverse Veröffentlichungen.

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Krisenintervention nach den Anschlägen in Oslo und auf der Insel Utøya

Renate Grønvold Bugge, 12.05.2017

Die Psychologin und Organisationsberaterin Renate Grønvold Bugge ist Mitarbeiterin am Center für Krisenpsychologie in Bergen, Norwegen. Ihr Vortrag wird Einblicke in den Ablauf ihrer beratenden Tätigkeiten nach den Anschlägen von A. Breivik in Norwegen geben.

Frau Grønvold Bugge wird über die Arbeit mit den unterschiedlichen Regierungs-, Verwaltungs- und Polizeidienststellen berichten, die mit der durch die Anschläge ausgelösten Krise und ihrer Bearbeitung befasst waren.

Dazu zählen vor allem: Die Strukturierung der Situation, das Aufrechterhalten der Arbeitsfähigkeit von Menschen und Institutionen und das Vorbereiten wichtiger Entscheidungen.

Zur Referentin

Dipl.-Psych. Renate Grønvold Bugge war in leitender Stellung in der Kinder- und Jugendpsychiatrie in Südnorwegen tätig. Darüber hinaus arbeitete sie auch nach dem Krieg in Sarajewo im Rahmen psychosozialer Programme der Norwegischen Volkshilfe vor Ort sowie in Mosambik im Auftrag des Norwegischen Roten Kreuzes.

In Norwegen wurde Frau Grønvold Bugge nach einigen großen Unfällen und Katastrophen zur gefragten Beraterin für Kriseninterventionen und Traumaprävention.

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Trauma, Schuldgefühl und Wiedergutmachung. Eine klinische Untersuchung.

Heinz Weiß, 06.10.2017

Patienten mit ausgeprägten Traumatisierungen sind häufig in Identifikationen mit perversen, traumatisierenden Figuren verstrickt.

Nicht selten bleiben sie gefangen in einem Kreislauf von Selbsthass und verfolgender Schuld, in dem der Wiederholungszwang und negative therapeutische Reaktionen dominieren.

Ob und wie unter diesen Bedingungen Wiedergutmachungsprozesse in Gang kommen können, was „Wiedergutmachung“ bei schwer traumatisierten Patienten bedeutet und wo ihre Grenzen liegen, wird anhand einer detaillierten Fallstudie untersucht.

Abschließende Überlegungen behandeln die Rolle des Vergessens und Erinnerns im therapeutischen Prozess.

Zum Referenten

Prof. Dr. med. Heinz Weiß, Psychoanalytiker (DPV, DGPT) und Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Chefarzt der Abteilung für Psychosomatische Medizin am Robert-Bosch-Krankenhaus, Stuttgart, Mitglied des Direktoriums und Leiter des Medizinischen Fachbereichs am Sigmund-Freud-Institut, Frankfurt a. M.

1992/1993 Visiting Scientist an der Tavistock Clinic, London, Guest Member der British Psychoanalytical Society, Section Editor (Education Section) des International Journal of Psychoanalysis.

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Trauma-Vortrag Bering

Psychotraumatologie: Von der Krisenintervention bis zur beruflichen Rehabilitation

Robert Bering, 26.01.2018

Der Chefarzt des Zentrums für Psychotraumatologie gibt einen Einblick in die Behandlungsformen bei Traumatisierungen. Das deutsche gegliederte Sozialsystem führt bei der Beratung, Behandlung, Rehabilitation und Eingliederung von Menschen mit Psychotraumafolgestörungen zu Verzögerungen bei der sektorenübergreifenden Versorgung.

Ursachen liegen in der Schwierigkeit, eine Behandlungsindikation frühzeitig zu identifizieren, Versorgungsengpässe im Gesundheitswesen zu überwinden und Lösungswege für Verzögerungen durch das Antragsverfahren zu finden.

Am Beispiel des Versorgungsnetzwerks für Psychotraumatologie Nordrhein wird dargestellt, wie eine sektorenübergreifende Versorgung auf der Grundlage eines psychodynamisch orientierten Behandlungs- und Rehabilitationskonzepts aus einer Hand gesteuert werden kann.

Zum Referenten

Prof. Dr. med. Robert Bering ist als Chefarzt des Zentrums für Psychotraumatologie (ZfP) der Alexianer Krefeld GmbH tätig. Das ZfP wurde von ihm als überregionales Versorgungszentrum für Betroffene von Psychotraumafolgestörungen auf der Grundlage des Kölner Opferhilfemodells aufgebaut.

Für verschiedene Auftraggeber führte Prof. Bering Forschungsprojekte zur Prävention und Behandlung von Psychotraumafolgestörungen durch. Aktuell werden im internationalen Verbund Forschungsprojekte auf dem Gebiet der psychosozialen Nachsorge und Rehabilitation von Überlebenden von Großschadenslagen (Terroranschläge, Amokläufe, Naturkatastrophen) durchgeführt.

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Veranstaltungsinformationen

Ort:
Psychoanalytische Arbeitsgemeinschaft Köln-Düsseldorf e.V. (1. OG.) Riehler Str. 23, 50668 Köln
Zeit:
20.30 Uhr
Eintritt frei.

Die Zertifizierung der Vorträge ist beantragt.
Anmeldung:
Wir bitten um Anmeldung bis eine Woche vor der jeweiligen Veranstaltung. Für Rückfragen stehen wir gerne zur Verfügung. Anmeldung erbeten bei Frau Manuela Schäfer, Telefon: 0221 / 13 59 01 Fax: 0221 / 13 44 39 oder per Email.

Bild-Quellennachweis

Alle Aufnahmen © 2006-2016 Sönke Behnsen.

Psychoanalytische Arbeitsgemeinschaft Köln-Düsseldorf