Auf der Schwelle des Augenblicks

Vortragsreihe „Präsenz und Performanz in Psychoanalyse und Kunst“ der Psychoanalytischen Arbeitsgemeinschaft Köln-Düsseldorf
Einführung Präsenz und Performanz

Präsenz und Performanz in Psychoanalyse und Kunst – eine Einführung

„In der analytischen Behandlung geht nichts anderes vor als ein Austausch von Worten zwischen dem Analysierten und dem Arzt“

schreibt Sigmund Freud 1916 in seiner ersten „Vorlesung zur Einführung in die Psychoanalyse“. Seither kam es in der Psychoanalyse zu einer Relativierung der Bedeutung des Sprachlich-Symbolischen. Psychoanalytiker wurden auf die performativen Elemente der analytischen Beziehung aufmerksam, in der sich Unbewusstes szenisch im Handlungsdialog zwischen AnalytikerIn und PatientIn entfaltet.

Zahlreiche psychoanalytische Arbeiten untersuchen den Einfluss prä- und nonverbaler Austauschprozesse auf die Entwicklung und den psychoanalytischen Prozess: Gestik und Mimik, Tonfall und Körperhaltung als spontane, oftmals flüchtige, dabei körperlich sehr präsente Phänomene. Sie ziehen die Aufmerksamkeit der Sinne in den Bann, bilden die Hintergrundmelodie der narrativen Inhalte und gestalten sie mit.

Unsere Vortragsreihe nimmt in den Blick, was in einer Psychoanalyse wie auf einer Bühne neben dem Austausch von Worten vor sich geht. Sie befasst sich mit der Verflechtung performativer und präsentischer Aspekte mit diskursiven Elementen von Bedeutung und Sinngebung im Prozess der Herstellung von Wirklichkeit. nach oben

Präsenz und implizite Beziehungsregulierung.

Manfred G. Schmidt, 30.10.2015

Phänomene in der Kunst von M. Rothko und J. Cage bilden den Ausgangspunkt der Beschreibung der Kennzeichen von Präsenz: Resonanz/Kontakt – Wahrnehmung – Körperlichkeit im Unterschied zur Ebene der Bedeutungen: Distanz – Interpretation – Zeit. Die performative Wende in der Psychoanalyse und deren Weiterungen, insbesondere der Bedeutung der impliziten Beziehung in analytischen Prozessen werden dargestellt.

Zum Referenten

Dr. rer. soc. Dipl. Psych. Manfred G. Schmidt, Lehranalytiker und Dozent der Psychoanalytischen Arbeitsgemeinschaft Köln-Düsseldorf (DPV/IPA). 2004-2006 Vorsitzender der DPV. Veröffentlichungen zur Theorie und Klinik der Psychoanalyse und psychoanalytischen Psychotherapie – zuletzt: Der Einfluss der Präsenztheorie auf die psycho­analytische Behandlungspraxis (Psyche 9/10 2014). nach oben

Ich habe das alles aus dem Sinn getan – aber es war wohl doch immer da

Jörg Scharff, 29.01.2016

In der psychoanalytischen Situation kommunizieren Patient und Analytiker nicht nur vermittelst des sprachsymbolischen Gehaltes der Worte, sondern sie wirken im Feld ,Zwischenleiblichkeit‘ auf vorsprachlicher Ebene auch über den gestisch­mimetischen Anteil ihrer Äußerungen unmittelbar leiblich aufeinander ein. Patient und Analytiker sind vorrangig in einer präsentischen ,Geschehenslogik‘ miteinander verbunden, in der die Unmittelbarkeit sinnlicher Wahrnehmungsprozesse die Beziehungs­erfahrung prägt.

Zum Referenten

Dr. phil. Dipl.-Psych. Jörg M. Scharff, Dozent und Lehranalytiker am Frankfurter Psycho­analytischen Institut (DPV/IPA), tätig in freier Praxis. Veröffentlichungen zur psychoanalytisch-orientierten Beratung, zur psychoanalytischen Theorie der Denkstörung und Perversion, zur inszenierenden Interaktion, zur psychoanalytischen Theorie und Behandlungstechnik – zuletzt gemeinsam mit S. Leikert: Korrespondenzen und Resonanzen. Psychoanalyse und Musik im Dialog (2013). nach oben

Embodied Field and Somatic Reverie – Verkörpertes Feld und somatische Reverie

(Vortrag in englischer Sprache, eine schriftliche Übersetzung ist erhältlich)

Giuseppe Civitarese, 22.04.2016

Der Körper des Analytikers ist ein Ort im inter­subjektiven Feld einer Analyse und als solcher kann er als Katalysator für einen leichteren Zugang zu einem integrierten somato-psychischen Verstehen dienen. Wir interpretieren in der Analyse mit Hilfe unseres prozessualen, impliziten Wissens, das nicht direkt auf Worte, Konzepte oder Repräsentanzen zu reduzieren ist. Wirkliche Erkenntnis wird jedoch durch reflektive Deutung erreicht, so dass dieses implizite Wissen gleich­zeitig als körperlich und als Reverie aufgefasst werden kann.

Zum Referenten

Giuseppe Civitarese, MD, PhD ist Lehranalytiker und Supervisor in der Italienischen Psycho­analytischen Vereinigung und Mitglied der American Psychoanalytic Association. Tätig in eigener Praxis in Pavia, Italien. Herausgeber der „Rivista di Psicoanalisi“, Zeitschrift der Italienischen Psychoanalytischen Vereinigung. Zahlreiche Veröffentlichungen zu Theorie und Technik der Psychoanalyse, zuletzt: Losing your Head: Abjection, Aesthetic Conflict and Psychoanalytic Criticism, Rowman & Littlefield, 2015. nach oben

Präsenz – Talent oder Technik?

Erika Fischer-Lichte, 26.08.2016

Den Ausgangspunkt des Vortrags bildet die Frage, warum bestimmten Schauspielern eine besondere Präsenz zugesprochen wird, wobei zugleich erläutert werden soll, wie der Begriff zu fassen ist. Unter Berücksichtigung verschiedener Schauspiel­theorien geht der Vortrag der Frage nach, mit welchen Mitteln Präsenz hervorgebracht wird und wie sie auf Zuschauer wirkt. Abschließend wird eine entsprechende Theorie zur Präsenz entwickelt.

Zur Referentin

Prof. Dr. Dr. h. c. Erika Fischer-lichte, seit 1996 Professorin für Theaterwissenschaft an der Freien Universität Berlin. Als Professorin für Neuere deutsche Literaturwissenschaft, Komparatistik und Theaterwissenschaft lehrte sie von 1973 bis 1996 an den Universitäten Frankfurt am Main, Bayreuth und Mainz. Erika Fischer-lichte war Präsidentin der Gesellschaft für Theaterwissenschaft e.V. (1991 bis 1996) und der International Federation of Theatre Research (1995 bis 1999). Ihre Arbeits­gebiete umfassen Ästhetik und Theorie des Theaters, die Europäische Theatergeschichte und Verflechtungen von Theaterkulturen. nach oben

Präsentation und Repräsentation in der Deutungsarbeit mit Kindern und Jugendlichen

Dieter Bürgin, 28.10.2016

Repräsentanzen werden aus Erfahrungen eines Selbstkernes mit dem Verdoppelten, dem Nicht­Selbst, den Selbstobjekten oder realen Personen, der entsprechenden Emotionalität und einem spezifischen Kontext gebildet. Angelegte Präsen­tationen erhalten ebenfalls einen Platz auf der Bühne der Phantasie. Sie werden wahrscheinlich anders wahrgenommen, gespeichert und abge­rufen. In welcher Weise sie – in der Übertragung – erkennbar und ansprechbar werden, soll anhand von klinischen Vignetten diskutiert werden.

sexualisierung im internet

Zum Referenten

Prof. em. Dr. med. Dieter Bürgin, emeritierter Ordinarius der Universität Basel und langjähriger Chefarzt der kinder-und jugendpsychiatrischen Universitätsklinik und Poliklinik Basel. Ausbildungs­analytiker der Schweizerischen Gesellschaft für Psychoanalyse (SGPsa/lPA). Tätig in eigener Praxis in Basel. nach oben

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Veranstaltungsinformationen

Ort: Psychoanalytische Arbeitsgemeinschaft Köln-Düsseldorf e.V. (1. OG.) Riehler Str. 23, 50668 Köln Zeit: Freitag, 20.30 Uhr Anmeldung: Wir bitten um Anmeldung bis eine Woche vor der jeweiligen Veranstaltung. Für Rückfragen stehen wir gerne zur Verfügung. Anmeldung erbeten bei: Sekretariat der Arbeitsgemeinschaft, Manuela Schäfer Telefon: 0221 / 13 59 01 Fax: 0221 / 13 44 39 oder per Email.

Psychoanalytische Arbeitsgemeinschaft Köln-Düsseldorf

Bild-Quellennachweise

Johannes Vermeer [Public domain], via Wikimedia Commons
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